3. Juli 2011Belgien: Rock Werchter, 30. Juni 2011 – Morla Von: :: Kommentare deaktiviert für Belgien: Rock Werchter, 30. Juni 2011 – Morla

Gegen Mittag ging es los – wir hatten genug Zeit im Gepäck. In Belgien angekommen, fragten wir bei Leuven noch einmal nach dem richtigen Weg an einer Tankstelle, dabei erwähnt ich, dass ich eigentlich nur wegen HURTS dorthin möchte. Das erste Mal verständnislose Blicke – „HURTS, who?“. Das sollte mir noch einmal so ergehen^^. Wir waren begeistert, wie gut die Zufahrt zum Festivalgelände ausgeschildert war – das ging schon bei der Autobahnausfahrt los und sollte sich fortsetzen. Also keine Irrwege, keine Verzögerungen.

Durch Pausen gingen wir dann gegen 16:30 Uhr zum Festivalgelände. Erst dann dämmerte es mir, dass dies eine ganz schöne Größenordnung hat. Riesen Campingplätze, irgendwann begann die Reihe der Buden und Trinkzelte. Durch unsere relativ späte Ankunftszeit war auch schon eine Menge los. Da wir Regenponchos vergessen hatten, gab es die relativ günstig zum Glück noch im campingplatzeigenen Shop – der auch extra dafür dort erstellt worden war. Wenn man also hätte campen wollen – kein Problem, so ziemlich alles (außer Zelten) ließ sich dort erwerben. Der Himmel war schon gut grau, der Regen konnte nicht mehr lange auf sich warten lassen…
Der Fußmarsch zum Gelände setze sich fort, die Menschenmengen wurden dichter, wir folgten endlos erscheinenden Einzäunungen (erst auf der Rückfahrt wurde uns klar, wie weiträumig das Gelände abgesperrt war und warum in der Anfahrtsbeschreibung stand: „Nicht dem Navi folgen, du wirst verloren gehen.“ – glaube ich jetzt gern). Da ich noch nie auf einem Mainstream-Festival war, war ich über den Eingangsbereich schon geplättet. Ein riesengroßer Aufbau mit bestimmt 10 Eingängen. Wir mussten durch 2 Kontrollen bis wir endlich irgendwann nach 17 Uhr drin waren. Der Blick fiel zuerst zur Mainstage – wow – groooohoooß. Es standen Menschenmassen davor, so langsam begann ich an meinem Plan, bei HURTS einen Platz in der 1. Reihe ergattern zu wollen, zu zweifeln…

Wir schauten uns zunächst das riesige Gelände an. Das sah mehr nach großer Party denn nach Festival aus, wo man primär hingeht, um Bands live spielen zu sehen. Das war aber kein Problem, denn für alle primären Party-Gäste gab es von beiden Bühnen ausreichend große Projektionsleinwände, wo man das Geschehen verfolgen konnte auch ohne die volle Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Ich hatte vergessen, das Line-Up auszudrucken, also musste ich mich erst mal versichern, zu welcher Bühne ich später musste. Ich fragte wen von der Festival-Orga – wieder fragende Blicke. „HURTS??? Auf der Mainstage spielen um diese Zeit Linkin Park, dann kann das nur auf der Pyramid Marquee sein.“ (Naja, eigentlich waren es The Chemical Brothers, aber ich hatte meine Info und so kann man sich das auch herleiten). Sehr schön – das sah wesentlich kleiner aus und vor allem überdacht :).
Schattenspendende Bäume und Zeltüberdachungen (auch gegen Regen) gab es, so dass man unterschlüpfen konnte, wenn man früh genug die Zeichen der Zeit erkannte. So verbrachten wir den Nachmittag mit Unterstellen, Leute beobachten und den (teilweise irrsinnigen) Angeboten zuschauen. Schon lustig, was Leute so tun…

Wir checkten immer wieder die Lage in der Pyramid Marquee – erste Reihe sollte doch zu schaffen sein :). Während James Blake spielte, wurde mir der Gedanke des langsamen Vortastens ernster – nur das war für meinen Geschmack echt nicht auszuhalten. Die Belgier waren jedoch begeistert. Wie sagte mein Bruder so schön? „Der ist immer kurz davor, rhythmisch zu werden und dann war es das wieder.“ Das war wahrscheinlich das Konzept, aber nichts für unsere Ohren auf Dauer…
Als dieser fertig war, nutzte ich die Pause, um mit den Fans von Eels nach vorne zu gehen. Ich kannte diese Band bisher nicht, war aber positiv überrascht.

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Aus der Bandbeschreibung ist zu entnehmen: „Mark Oliver Everett (a.k.a. E) has the looks of an underdog and the contents of a genius. He is one of a very small group of artists who manage to combine humour and sadness without getting into trouble.” Sie haben es geschafft, das Zelt zum Toben zu bringen. Teilweise wurde minutenlang gestampft, so dass der Sänger meinte: “I feel like a Beatle right now.” Die Band macht gute handgemachte Musik, beherrscht ihre Instrumente und weiß das Publikum zu fesseln und einzubeziehen. Die Stücke haben mir sehr gut gefallen.

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Das Gitarren- und Schlagzeugsolo bei der Vorstellung der Musiker ließen mich echt mitgehen. Zu Beginn des Konzertes erst skeptisch zurückhaltend, dann mitwippend und gegen Ende voller Begeisterung Applaus zollend. Ich denke, die Jungs haben mich überzeugt und würde sie mir wieder bei Gelegenheit live ansehen. :)

Dann kamen Beady Eye – hmmm. Für meinen deutschen verHURTSten Musikgeschmack war das nichts. In dem Fall tobten die angereisten Engländer. Ich hatte mir schon einen Platz in der ersten Reihe erkämpft – also war an ein Weggehen nicht mehr zu denken^^. Gut – es gab schon schlechtere Vorbands *g* – aber das war Wonderwall in x-facher Ausführung. Wem es Spaß macht…

Erneut eine dreiviertel Stunde Umbauphase. Ich schaffte es, meinen Bruder in die erste Reihe zu ziehen. Neben mir blieb ebenso ein Baum von Mann stehen. Einige Männer in der ersten Reihe – ist für die Jungs ja nicht sooo gewöhnlich. Paul spielte sich an den Drums ein – leider fiel mir erst hinterher ein, dass man das ja auch mal hätte filmen können – Mea Culpa. Richards Mikrofon wurde dieses Mal leider rechts (aus Sicht des Publikums aufgestellt) – ja, Rich, es gibt die falsche Seite der Bühne ;). Das Streichquartett wurde auch reduziert. Die Bühnenshow musste für diesen Event also leider wieder etwas reduziert werden, was der Vorfreude aber keinen Abbruch tat, ich hatte die erste Tour ja auch schon mitbekommen und das war schließlich noch ganz was anderes. Endlich begann Angel – ich jubelte an dieser Stelle als Einzige und erntete fragende Blicke^^.

HURTS betraten unter großem Applaus die Bühne. Leider gab es bei der Show auch keine Tänzerinnen (da hatte ich meinen Bruder drauf angespitzt 8) ). Irgendwie haben sie schon gefehlt, das Intro wirkte nicht ganz so bombastisch wie bei den von mir besuchten vorhergehenden Konzerten Anfang Juni und den Übertragungen vergangener Festivals. Alles wirkte wieder „kleiner“.

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Ich hatte das Gefühl, dass Theo zunächst nicht so richtig wusste, was da auf ihn zu dieser Stunde zu kommen würde und wie das Publikum reagiert. Nachdem jedoch tosender Applaus nach Silver Lining losbrach und genügend Fans jubelten und tanzten, legte sich diese Sorge. Über meinen Kopf flogen die ersten Rosen, eine landete genau vor mir im Bühnengraben, die ich von einem netten Menschen der Security mit einem Lächeln auch direkt in die Hand gedrückt bekam. Der wippte dann während des Konzertes auch schwer mit :). Ich hatte einen guten Platz und konnte meinen üblichen Tanzanfällen freien Lauf lassen 8). Theo ging auf der Bühne auch gut ab, was die allgemeine Stimmung noch mehr anheizte.
Das Zelt war wirklich gefüllt bis überfüllt – ich hätte das so nicht gedacht. Erst auf Videos konnte ich ihm nachhinein sehen, was wirklich hinter mir los war. Sehr schön. :) Theo fragte, wer beim letzten belgischen Konzert dabei war. Es waren doch Einige und viele belgische Fans dort.

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Bei Evelyn musste der Mikroständer wieder schwer was aushalten. Theo ergriff ihn nach der ersten Tobaktion noch einmal (das Mikro war zwischenzeitlich abgegangen) und hämmerte gegen Ende nochmals gut auf den Bühnenboden ein. Die Security blickte da schon etwas skeptisch nach oben. 8) Leider hat er dabei neben seinem eigenen Fuß zu Beginn (Achtung, Schmerzhüpfer waren auch dabei) auch die Violinistin getroffen.

Die Setlist wurde soweit nicht verändert, ist also aus den aktuellen Festivalübertragungen bekannt (nur Mother Nature fehlte). Da die Streicher weitgehend fehlten, fiel The Water leider auch aus. Bei Better Than Love gingen dann zu Beginn zu früh kurzzeitig die Lichter an – „oh the lights went on“ – egal, lasst es krachen, fiel sonst eh keinem auf. Das haben sie auch getan, das Publikum ging überwältigend mit. Insgesamt wirkte die Show nicht ganz so durchgestylt, es war alles wieder etwas „rauer“, publikumsnäher – was mir aber sehr viel Spaß gemacht hat :).

Wir konnten dann nicht mehr warten, da wir ja noch eine gute Fahrtstrecke vor uns hatten. Auch so konnten wir erst gegen 3:15 Uhr mit dem Auto los, der Rückweg zu Fuß war ja auch etwas länger. So habe ich niemanden von der Band mehr sprechen oder sehen können.

Letztlich bleibt mir nur das Twitter-Zitat von Theo anzufügen:

Apocalypso night at Rock Werchter in Belgium. Dank je wel! Massive! Woke up with a maraca for head somewhere near Zurich. Die Schweiz!

Ja, das war es.


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